3. Genereller Überblick

INTERGATOR Patent Search unterstützt den gesamten Arbeitsprozess einer modernen Patentrecherche: von der ersten Suchanfrage über die Sichtung und Bewertung von Treffern bis zur strukturierten Analyse, Relevanzbewertung und dokumentierbaren Aufbereitung der Ergebnisse. Die Plattform verbindet semantische Suche, klassische Boolesche Recherche, KI-Assistenten, Re-Ranking-Funktionen und Reportgenerierung zu einem durchgängigen Workflow.

Typischerweise verläuft die Arbeit mit INTERGATOR Patent Search in folgenden Schritten:

  • Recherche starten: Eine Recherche beginnt mit einer natürlichsprachigen Eingabe, einer Erfindungsbeschreibung, einer Publikationsnummer, einem Referenzdokument oder einem spezialisierten Recherche-Assistenten.
  • Trefferliste auswerten: Die gefundenen Dokumente werden in der Trefferliste gesichtet, gefiltert, sortiert, markiert, ausgeblendet oder auf Listen gespeichert.
  • Referenzdokument verwenden: Besonders relevante Treffer können als Referenzdokumente genutzt werden, um ähnliche Dokumente zu finden, semantische Filter zu erzeugen oder die Recherche gezielt weiterzuentwickeln.
  • Relevanzanalyse ausführen: Einzelne Treffer oder ausgewählte Dokumente können hinsichtlich technischer Relevanz, Merkmalsüberschneidungen, zentraler Fundstellen und fachlicher Nähe zur Ausgangsfrage analysiert werden.
  • Rechtsbeständigkeitsanalyse unterstützen: Für Einspruchs- bzw. Rechtsbeständigkeitsfragen können Referenzschriften, Prioritätsdaten, technische Merkmale und relevante Gegenhaltungen strukturiert betrachtet und bewertet werden.
  • Re-Ranking nutzen: Durch zusätzliche Filter, ausgewählte relevante Dokumente, semantische Ähnlichkeit und fachliche Bewertungskriterien kann die Reihenfolge der Treffer weiter verfeinert werden.
  • Ergebnisse dokumentieren: Recherchen, Bewertungen und Analyseergebnisse können als Grundlage für nachvollziehbare Reports genutzt werden, etwa für interne Abstimmungen, technische Bewertungen oder die weitere Bearbeitung durch Fachabteilungen.

Indexierung

Die Indexierung von Patentdaten ist ein zentraler Bestandteil der INTERGATOR Patent Search. Grundlage bildet ein umfangreicher, regelmäßig aktualisierter Datenbestand, der auf den Publikationen von Questel basiert. Dieser umfasst weltweite Patentdaten – insbesondere mit englischer Übersetzung – und stellt sicher, dass aktuelle sowie relevante Informationen für die Recherche zur Verfügung stehen.

Dabei wird jede Patentanmeldung durch ihre letzte Veröffentlichung repräsentiert. Mitglieder einer Patentfamilie mit gleicher Priorität werden zu einem Treffer zusammengefasst.

Alle Inhalte werden im Rahmen der Nutzung ausschließlich auf Servern in einem ISO 27001-zertifizierten Rechenzentrum in Deutschland verarbeitet – ohne Anbindung an externe KI-Cloud-Dienste.

Suchmethoden

INTERGATOR Patent Search unterstützt drei grundlegende Rechercheformen:

  • semantische Suche
  • Boolesche Suche
  • hybride Suche

Diese Suchmethoden unterscheiden sich darin, wie Suchbegriffe verarbeitet werden und wie die Treffer ermittelt und sortiert werden.

Die Suchmethoden bilden die Grundlage der Recherche. Darauf aufbauend unterstützen KI-Assistenten und Analysefunktionen die weitere Bewertung der gefundenen Dokumente. Während die Suche passende Treffer identifiziert, helfen Relevanzanalyse, Rechtsbeständigkeitsanalyse, Re-Ranking und Reportfunktionen dabei, die Treffer fachlich einzuordnen, zu priorisieren und nachvollziehbar zu dokumentieren.

Semantische Suche

Die semantische Suche nutzt KI-Sprachmodelle, um Begriffe, Formulierungen und Texte im inhaltlichen Zusammenhang zu bewerten. Dadurch können auch Dokumente gefunden werden, die inhaltlich passen, obwohl sie die exakten Suchbegriffe nicht enthalten.

Eine semantische Suche entsteht typischerweise durch:

  • natürlichsprachige Eingaben,
  • Freitext,
  • Textabschnitte,
  • oder semantische Konzeptfilter.

Die semantische Suche eignet sich besonders als Einstieg in einen Analyseworkflow. Aus einer Erfindungsbeschreibung, technischen Fragestellung oder Referenzschrift können zunächst relevante Treffer identifiziert werden. Anschließend lassen sich diese Treffer mit KI-gestützten Analysefunktionen weiter bewerten, vergleichen und für Reports aufbereiten.

Vorteile:

  • Relevanz durch Bedeutungsnähe statt exakter Worttreffer
  • Erkennung verwandter Begriffe und technischer Zusammenhänge
  • besonders geeignet für Erfindungsbeschreibungen, Fragestellungen und freie Texteingaben
  • gute Grundlage für nachgelagerte Relevanzanalyse, Merkmalsvergleich und Re-Ranking

Nachteile:

  • Ergebnisstreuung bei unspezifischen Texten oder unklaren Begriffen
  • Relevanzbewertung kann erklärungsbedürftig sein und erfordert ggf. Nachschärfung durch Filter
  • technische Bewertung und rechtliche Einordnung müssen weiterhin fachlich geprüft werden

Boolesche Suche

Die Boolesche Suche basiert auf einer lexikalischen Suchlogik. Sie arbeitet mit konkreten Begriffen, Feldbezügen und Booleschen Operatoren wie AND, OR und NOT. In INTERGATOR Patent Search wird die ausschließlich Boolesche Recherche über die BOOL-Perspektive ausgeführt.

Dabei gilt:

  • Die Eingabe wird nicht semantisch interpretiert.
  • Die Recherche erfolgt auf Basis der eingegebenen Suchsyntax.
  • Die Boolesche Abfrage wirkt rankend und beeinflusst damit auch die Reihenfolge der Treffer.
  • Semantische oder Ähnlichkeitsfunktionen sind in dieser Perspektive nicht verfügbar.

Die Boolesche Suche ist besonders hilfreich, wenn bekannte Begriffe, konkrete Patentnummern, Anmelder, Klassifikationen oder feste Suchstrategien kontrolliert verwendet werden sollen. Sie kann außerdem ergänzend eingesetzt werden, um semantisch gefundene Trefferlisten gezielt einzugrenzen oder bestimmte Aspekte für eine spätere Analyse vorzubereiten.

Vorteile:

  • Hohe Präzision bei bekannten Begriffen, Feldabfragen und festen Suchmustern
  • Kontrollierte Recherche mit exakter Suchsyntax
  • besonders geeignet für gezielte Fachbegriffe, Patentnummern und strukturierte Abfragen

Nachteile:

  • Reine Wort- und Syntaxorientierung
  • semantisch verwandte oder anders formulierte Inhalte werden nicht automatisch erfasst

Hybride Suche

Die hybride Suche kombiniert semantische Suche mit zusätzlichen lexikalischen oder bibliografischen Einschränkungen. Sie ist besonders hilfreich, wenn inhaltlich passende Treffer gefunden, aber zugleich gezielt eingeschränkt werden sollen.

Typische Bestandteile einer hybriden Suche sind:

  • semantische Suche über Freitext oder Konzepte,
  • Syntaxfilter,
  • bibliografische Filter,
  • Facetten,
  • oder Klassifikationen wie IPC bzw. ICM.

Dabei gilt:

  • Die semantische Suche bleibt die Grundlage der Recherche.
  • Zusätzliche lexikalische oder bibliografische Bestandteile wirken in diesem Fall filternd, aber in der Regel nicht rankend.

Die hybride Suche ist häufig der praxisnahe Standardfall in INTERGATOR Patent Search. Sie verbindet eine breite, bedeutungsbasierte Trefferermittlung mit kontrollierten Einschränkungen. Dadurch entsteht eine belastbare Grundlage für die weitere Trefferbewertung, Relevanzanalyse, Rechtsbeständigkeitsanalyse und Reportgenerierung.

Vorteile:

  • Verbindet inhaltliche Breite mit präziser Einschränkung
  • besonders geeignet für komplexe Fragestellungen
  • flexibel anpassbar im laufenden Rechercheprozess
  • unterstützt eine schrittweise Verdichtung der Treffer vor Analyse und Report

Nachteile:

  • erfordert ein gewisses Verständnis für das Zusammenspiel semantischer und lexikalischer Filter
  • kann bei sehr komplexen Abfragen mehr Abstimmung und Feinarbeit erfordern

Natürlichsprachige Eingabe

Mit INTERGATOR Patent Search können ganze Texte, Absätze oder Fragestellungen direkt als Suchanfrage verwendet werden. Die natürlichsprachige Eingabe ist dabei in der Regel ein Einstieg in die semantische Suche.

Das System analysiert die Eingabe inhaltlich, erkennt relevante Konzepte und erstellt daraus eine Suchanfrage, die anschließend durch weitere Filter verfeinert werden kann.

Natürlichsprachige Eingaben eignen sich besonders, wenn noch keine ausformulierte Suchstrategie vorliegt. Sie können beispielsweise auf Basis einer Erfindungsbeschreibung, eines technischen Problems oder einer bekannten Patentschrift verwendet werden. Die daraus entstehenden Treffer können anschließend als Ausgangspunkt für Referenzdokumente, Re-Ranking, KI-gestützte Relevanzanalysen oder Reports dienen.

Vorteile:

  • einfache Einstiegsmöglichkeit ohne Suchsyntax
  • ideal für die Recherche auf Basis von Erfindungsbeschreibungen oder technischen Problemstellungen
  • gut geeignet als Ausgangspunkt für eine semantische oder hybride Recherche
  • unterstützt den Übergang von einer offenen Fragestellung zu einer strukturierten Analyse

Nachteile:

  • bei sehr allgemeinen oder unscharfen Formulierungen kann eine Nachbearbeitung erforderlich sein
  • für streng kontrollierte Suchstrategien ist eine Boolesche Recherche oft besser geeignet

KI-Assistenten, Analyse und Reportfunktionen

Die KI-Assistenten von INTERGATOR Patent Search unterstützen typische Recherche- und Analyseaufgaben durch geführte Workflows. Sie helfen dabei, aus Eingaben wie Texten, Publikationsnummern oder Referenzdokumenten geeignete Suchanfragen und Filter zu erzeugen.

Dabei übernehmen die Assistenten nicht die fachliche Entscheidung, sondern unterstützen die strukturierte Vorbereitung, Durchführung und Auswertung der Recherche. Sie können relevante Begriffe, technische Konzepte, Dokumentähnlichkeiten, Prioritätsinformationen, Familienbezüge und weitere Kriterien berücksichtigen.

Die Analysefunktionen bauen auf den Suchergebnissen auf. Sie helfen dabei, Treffer genauer zu bewerten und ihre Bedeutung für die jeweilige Fragestellung einzuordnen. Dazu gehören insbesondere:

  • die technische Zusammenfassung einzelner Patentschriften,
  • die Erkennung zentraler Merkmale und Merkmalsgruppen,
  • die Analyse von Merkmalsüberschneidungen,
  • die Hervorhebung relevanter Textstellen,
  • die Bewertung der fachlichen Nähe zu einem Referenzdokument,
  • die Unterstützung von Rechtsbeständigkeits- und FTO-Fragestellungen,
  • sowie die Aufbereitung von Ergebnissen für dokumentierbare Reports.

Re-Ranking und strukturierte Ergebnisverdichtung

Nach der initialen Suche kann die Trefferliste weiter verfeinert werden. Neben klassischen Filtern und Facetten können relevante Treffer oder Referenzdokumente genutzt werden, um die Suchrichtung zu schärfen und die Reihenfolge der Ergebnisse besser an die konkrete Fragestellung anzupassen.

Re-Ranking bedeutet in diesem Zusammenhang, dass eine Trefferliste nicht nur einmalig betrachtet wird, sondern durch zusätzliche Signale und fachliche Kriterien neu priorisiert werden kann. Dazu zählen beispielsweise:

  • ausgewählte relevante Treffer,
  • semantische Dokumentähnlichkeit,
  • technische Merkmale,
  • Merkmalsüberschneidungen,
  • bibliografische Einschränkungen,
  • Prioritäts- oder Veröffentlichungsdaten,
  • sowie manuell gesetzte Filter.

Das Re-Ranking unterstützt dabei, große Treffermengen schrittweise auf die fachlich wichtigsten Dokumente zu verdichten. Es ersetzt nicht die Bewertung durch den Rechercheur, erleichtert aber die Priorisierung und weitere Analyse.

Dokumentation und Reports

Ein wesentliches Ziel moderner Patentrecherche ist nicht nur das Finden relevanter Dokumente, sondern auch die nachvollziehbare Dokumentation der Rechercheergebnisse. INTERGATOR Patent Search unterstützt diesen Schritt durch strukturierte Analyse- und Reportfunktionen.

Reports können dazu genutzt werden, Rechercheergebnisse für interne Abstimmungen, technische Bewertungen, Rechtsbeständigkeitsanalysen, FTO-Prüfungen oder Monitoring-Auswertungen aufzubereiten. Sie können unter anderem folgende Inhalte zusammenführen:

  • Ausgangsfrage und Recherchekontext,
  • verwendete Suchstrategie und Filter,
  • relevante Treffer und Referenzdokumente,
  • technische Zusammenfassungen,
  • Merkmalsüberschneidungen,
  • Fundstellen und Begründungen,
  • Einschätzungen zur technischen Relevanz,
  • sowie Hinweise auf weiterführende Analyseschritte.

Dadurch wird die Recherche nachvollziehbar, wiederverwendbar und leichter mit anderen Beteiligten teilbar.

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